Wie nachhaltig ist Second-Hand-Kleidung wirklich?
Wie stark belastet Kleidung die Umwelt, und was bringt der Kauf von Second-Hand-Kleidung? Die wichtigsten Fakten im Überblick, mit Quellen.
Kurz gesagt
- Textilien liegen in der EU auf Platz fünf der Konsumbereiche mit der größten Umweltbelastung (Europäische Umweltagentur, Zahlen für 2022).
- Rund 80 Prozent der Klimawirkung von Textilien entstehen bei der Herstellung.
- Ein Second-Hand-Kleidungsstück ersetzt im Schnitt etwa ein halbes neues Kleidungsstück (Milieu Centraal, Niederlande). Es hilft also vor allem dann, wenn du damit Neukäufe ersetzt.
- Länger tragen wirkt: Neun Monate längere Nutzung verkleinert den Fußabdruck von Kleidung um etwa 20 bis 30 Prozent (WRAP).
Second-Hand-Kleidung gilt als nachhaltig. Aber wie viel macht das wirklich aus? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt, mit Zahlen aus unabhängigen Quellen wie der Europäischen Umweltagentur (EEA) und dem niederländischen Umweltinformationszentrum Milieu Centraal. Und zwar ehrlich, denn Second-Hand ist gut, aber kein Wundermittel.
Wie stark belastet Kleidung die Umwelt?
Im Jahr 2022 lag der Textilverbrauch in der EU bei durchschnittlich 19 Kilo pro Person: 8 Kilo Kleidung, 7 Kilo Haushaltstextilien und 4 Kilo Schuhe. Laut der Europäischen Umweltagentur liegen Textilien damit auf Platz fünf von zwölf Konsumbereichen mit der größten Umweltbelastung, gemessen an Rohstoffen, Wasser, Landnutzung und Treibhausgasen.
In den Niederlanden kauft jede Person im Schnitt etwa 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr, schätzt Milieu Centraal. Zusammen sind das fast eine Milliarde Kleidungsstücke. Gleichzeitig werden in den Niederlanden jedes Jahr mehr als 200 Millionen Kilo Textilien weggeworfen.
Weltweit wird jede Sekunde umgerechnet eine Müllwagenladung Textilien auf Deponien entsorgt oder verbrannt, hat die Ellen MacArthur Foundation 2017 berechnet. Weniger als 1 Prozent des Materials, aus dem Kleidung hergestellt wird, wird zu neuer Kleidung recycelt.
Die größte Belastung entsteht bei der Herstellung
Rund 80 Prozent der Klimawirkung von Textilien entstehen in der Herstellungsphase: bei der Herstellung der Fasern, beim Spinnen, Weben, Färben und Zusammennähen. Die Nutzung, etwa Waschen und Trocknen, macht etwa 14 Prozent aus, Transport und Verkauf sowie die Entsorgung jeweils rund 3 Prozent. Das zeigen Zahlen der EEA zum europäischen Konsum im Jahr 2020.
Deshalb ist ein Kleidungsstück, das es schon gibt, so wertvoll: Für ein Second-Hand-Teil muss nichts Neues hergestellt werden.
Was bringt der Kauf von Second-Hand-Kleidung?
Milieu Centraal hat untersucht, wie viel Second-Hand-Kleidung der Umwelt bringt. Das Ergebnis: Ein Second-Hand-Kleidungsstück ersetzt im Schnitt etwa ein halbes neues Kleidungsstück. Kaufst du nur noch Second-Hand, sparst du so etwa die Hälfte der Umweltbelastung neuer Kleidung ein.
Dafür gilt allerdings eine wichtige Bedingung: Second-Hand zu kaufen ist nur dann nachhaltig, wenn du damit den Kauf neuer Kleidung ersetzt. Kaufst du Second-Hand zusätzlich zu deiner neuen Kleidung, bringt das der Umwelt wenig.
Länger tragen zählt am meisten
Die britische Organisation WRAP hat 2012 berechnet, dass neun Monate längeres Tragen den CO2-, Wasser- und Abfallfußabdruck von Kleidung um etwa 20 bis 30 Prozent verkleinert. Gute Pflege und kleine Reparaturen helfen dabei.
Was passiert mit aussortierter Kleidung?
Von den Textilien, die Verbraucher aussortieren, landen in den Niederlanden laut Milieu Centraal 43 Prozent im Restmüll. Damit gehen sie verloren, obwohl ein Teil davon noch getragen oder recycelt werden könnte. Kleidung, die noch gut ist, verkaufst du besser weiter, verschenkst sie oder bringst sie in einen Second-Hand-Laden, ein Sozialkaufhaus oder einen Altkleidercontainer.
Was tun die Niederlande und die EU?
Seit dem 1. Juli 2023 gilt in den Niederlanden die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien. Hersteller und Importeure neuer Kleidung und Haushaltstextilien sind dadurch dafür verantwortlich, was mit ihren Produkten geschieht, wenn sie ausrangiert werden. Das Ziel: Ein wachsender Anteil der Textilien, die sie im Vorjahr auf den Markt gebracht haben, muss für die Wiederverwendung vorbereitet oder recycelt werden, steigend von 50 Prozent im Jahr 2025 auf 75 Prozent im Jahr 2030. Für Anbieter von Second-Hand-Kleidung gilt die Herstellerverantwortung nicht.
Auch auf EU-Ebene tut sich etwas. Seit dem 16. Oktober 2025 gilt eine überarbeitete Abfallrahmenrichtlinie. Alle EU-Länder müssen dadurch innerhalb von 30 Monaten ein vergleichbares System der Herstellerverantwortung für Textilien und Schuhe einführen.
So machst du einen Unterschied
- Kauf bewusst: Am nachhaltigsten ist ein Kleidungsstück, das du nicht kaufen musst oder das du sehr oft trägst.
- Wähle Second-Hand statt neu: Dann ersetzt du wirklich einen Neukauf.
- Trag länger: Mit guter Pflege und kleinen Reparaturen hält Kleidung jahrelang.
- Achte auf Qualität: Ein gut gemachtes Teil hält länger. Lies, wie du Qualität erkennst.
- Gib Kleidung ein weiteres Leben: Verkaufe, tausche oder spende, was du nicht mehr trägst, statt es in den Restmüll zu werfen.
Bei GSYL geben wir guter Kleidung ein zweites Leben: Jeder Artikel ist handverlesen, geprüft und ehrlich beschrieben.
Schenk diesen Teilen ein zweites Leben
Häufige Fragen
Ist Second-Hand-Kleidung besser für die Umwelt?
Ja, wenn du damit neue Kleidung ersetzt. Laut Milieu Centraal (Niederlande) ersetzt ein Second-Hand-Kleidungsstück im Schnitt etwa ein halbes neues; wer nur noch Second-Hand kauft, spart so etwa die Hälfte der Umweltbelastung neuer Kleidung ein.
Wie viel Kleidung kaufen die Menschen in den Niederlanden pro Jahr?
Im Schnitt etwa 60 neue Kleidungsstücke pro Person und Jahr, schätzt Milieu Centraal. Zusammen kommen in den Niederlanden jedes Jahr fast eine Milliarde Kleidungsstücke dazu.
Wo entsteht die größte Umweltbelastung durch Kleidung?
Bei der Herstellung. Dort entstehen laut der Europäischen Umweltagentur rund 80 Prozent der Klimawirkung von Textilien.
Was ist die erweiterte Herstellerverantwortung für Textilien in den Niederlanden?
Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien gilt seit dem 1. Juli 2023 in den Niederlanden. Hersteller und Importeure neuer Textilien sind für Sammlung, Wiederverwendung und Recycling verantwortlich. Der Anteil, der für die Wiederverwendung vorbereitet oder recycelt werden muss, steigt von 50 Prozent im Jahr 2025 auf 75 Prozent im Jahr 2030. Für Anbieter von Second-Hand-Kleidung gilt die Herstellerverantwortung nicht.
Quellen
- Circularity of the EU textiles value chain in numbers (öffnet in einem neuen Tab), European Environment Agency (EEA) (2025)
- Textiles and the environment: the role of design in Europe’s circular economy (öffnet in einem neuen Tab), European Environment Agency (EEA) (2022)
- A New Textiles Economy: Redesigning fashion’s future (öffnet in einem neuen Tab), Ellen MacArthur Foundation (2017)
- Valuing Our Clothes: the true cost of how we design, use and dispose of clothing in the UK (öffnet in einem neuen Tab), WRAP (2012)
- Zo schaadt kleding het milieu (öffnet in einem neuen Tab), Milieu Centraal (2026)
- Factsheet duurzaamheid van tweedehands kleding (öffnet in einem neuen Tab), Milieu Centraal (2024)
- Nederlanders doen bijna helft van de kapotte kleding weg (öffnet in einem neuen Tab), Milieu Centraal (2025)
- Besluit uitgebreide producentenverantwoordelijkheid textiel (öffnet in einem neuen Tab), Rijksoverheid (wetten.overheid.nl) (2023)
- Revised Waste Framework Directive enters into force (öffnet in einem neuen Tab), European Commission (2025)
Entscheide dich für ein zweites Leben
Jeder Artikel bei GSYL ist ein Einzelstück, handverlesen und bereit für eine neue Besitzerin.









